Das Gemälde mit der ungeheuren Fülle an Gesichtern, die durch einen Spalt in der Mauer strömen, trägt den Titel „Es geschah im November“ und stammt von dem deutsch-iranischen Künstler Kani Alavi.
Der Moment der Ungewissheit und Freude
Alavi erlebte die Nacht des 9. November 1989 als Augenzeuge direkt an seiner damaligen Wohnung am Checkpoint Charlie. Seine Eindrücke verarbeitete er in diesem gewaltigen Wandbild.
- Künstler: Kani Alavi
- Titel: „Es geschah im November“
- Entstehungsjahr: 1990 (2009 aufgefrischt)
- Motiv: Vor einem tiefblauen Hintergrund bricht die weiße Betonschale der Mauer auf. Ein dichtes Meer aus zahllosen Köpfen ergießt sich wie eine Welle hindurch.
Warum das Bild so tief berührt
Anders als rein feierliche Darstellungen zeigt Alavis Werk eine enorme Bandbreite menschlicher Regungen. Wenn du die einzelnen Gesichter der Köpfe genau betrachtest, erkennst du:
- Euphorie & Befreiung: Einige Gesichter lachen, jubeln und strecken die Arme in die Höhe.
- Angst & Skepsis: Andere Blicke sind von Sorge, Tränen oder Verwirrung geprägt – die Angst vor der Ungewissheit, wie es am Tag danach weitergeht.
- Keine Anonymität: Obwohl es hunderte Köpfe sind, wirkt die Masse nicht anonym. Jede Person erzählt eine individuelle emotionale Geschichte dieses historischen Wendepunkts.
Bedeutung für die East Side Gallery
Kani Alavi ist für das Denkmal nicht nur als Maler bedeutend: Er gründete 1996 die Künstlerinitiative East Side Gallery e. V. und setzte sich jahrelang massiv für den Erhalt und die Rettung der Freiluftgalerie vor dem Abriss ein. Sein Bild gehört bis heute zu den zentralen, bewegendsten Werken des gesamten Mauerabschnitts.